Serendibit
| Serendibit | |
|---|---|
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| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Ser[1] |
| Chemische Formel | Ca4(Mg6Al6)O4[Si6B3Al3O36][2] |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate – Kettensilikate (Inosilikate) |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/A’.13 VIII/F.14-060 9.DH.45 69.02.01a.06 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | triklin |
| Kristallklasse; Symbol | triklin-pinakoidal; 1 |
| Raumgruppe | P1 (Nr. 2) |
| Gitterparameter | a = 10,010(3) bis 10,094(3) Å; b = 10,393(3) bis 10,478(3) Å; c = 8,631(2) bis 8,694(2) Å α = 106,36(l) bis 106,37(1)°; β = 96,00(l) bis 96,10(l)°; γ = 124,38(1) bis 124,40(l)°[3] |
| Formeleinheiten | Z = 2[3] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 6,5 bis 7[4] |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 3,42 bis 3,52; berechnet: 3,47[4] |
| Spaltbarkeit | gut nach {010} und {001}[4] |
| Farbe | graublau, blaugrün bis tiefblau, grün, blassgelb, braun, schwarz |
| Strichfarbe | weiß[5] |
| Transparenz | durchsichtig bis undurchsichtig |
| Glanz | Glasglanz |
| Radioaktivität | keine |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,701[6] nβ = 1,703[6] nγ = 1,706[6] |
| Doppelbrechung | δ = 0,005[6] |
| Optischer Charakter | zweiachsig positiv |
| Achsenwinkel | 2V = 80°[6] |
| Pleochroismus | stark: X = hellgelb, gelbgrün bis blaugrün; Y = fast farblos, hellgelb, blau bis blaugrün; Z = hell- bis dunkelblau[4] |
Serendibit ist ein seltenes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Ca4(Mg6Al6)O4[Si6B3Al3O36][2] und gehört strukturell zu den Kettensilikaten (Inosilikaten).
Natürlicher Serendibit enthält immer Fe2+ und Fe3+ und ist je nach Eisengehalten himmelblau bis intensiv dunkelblau mit ausgeprägten Pleochroismus (blass gelbgrün – dunkelblau). Serendibit entwickelt nur selten kleine, tafelige Kristalle bis etwa zwei Zentimeter Größe mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen. Meist findet er sich in Form unregelmäßiger Körner. Die Kristalle zeigen für gewöhnlich polysynthetische Verzwillingung, was oft an den entsprechend gestreiften Kristallflächen erkennbar ist.
Etymologie und Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Serendibit wurde erstmals im Jahr 1902 nahe dem Ort Gangapitiya in der Zentralprovinz des Inselstaates Sri Lanka entdeckt. Im folgenden Jahr wurde es erstmals von George T. Prior und Ananda K. Coomaraswamy wissenschaftlich erforscht und beschrieben. Seinen Namen erhielt das Mineral vom alten arabischen Namen für „Sri Lanka“ (Serendib).[7]
Klassifikation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Serendibit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Neso-Subsilikate“, wo er gemeinsam mit Dumortierit, Garrelsit, Grandidierit, Harkerit, Howlith, Kornerupin, Melanocerit und Painit in der „Dumortierit-Grandidierit-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/A’.13 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/F.14-060. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Ketten- und Bandsilikate“, wo Serendibit zusammen mit Addibischoffit, Aenigmatit, Dorrit, Høgtuvait, Khesinit, Krinovit, Kuratit, Makarochkinit, Rhönit, Warkit, Welshit und Wilkinsonit die „Aenigmatitgruppe“ mit der Systemnummer VIII/F.14 bildet.[5]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[8] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Serendibit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 4-periodischen Einfachketten, Si4O12“ zu finden, wo es zusammen mit Aenigmatit, Baykovit, Dorrit, Høgtuvait, Khmaralith, Krinovit, Makarochkinit, Rhönit, Sapphirin, Welshit und Wilkinsonit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 9.DH.45 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Serendibit die System- und Mineralnummer 69.02.01a.06. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Kettensilikate: Ketten mit Seitenzweigen oder Schleifen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Ketten mit Seitenzweigen oder Schleifen mit P>2“ in der „Aenigmatit und verwandte Arten (Aenigmatit-Untergruppe)“, in der auch Aenigmatit, Dorrit, Høgtuvait, Krinovit, Rhönit, Welshit, Wilkinsonit und Makarochkinit eingeordnet sind.
Die aktuelle Systematik der CNMN für die Sapphiringruppe ordnet diese neu und gruppiert den Serendibit zusammen mit Høgtuvait, Makarochkinit, Rhönit und Welshit in die Rhönitgruppe (Ca auf der größten M-Position) unterhalb der Sapphiringruppe in der Sapphirin-Obergruppe[2].
Kristallstruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Serendibit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2). Die aus drei Mineralproben ermittelten Gitterparameter lauten a = 10,010(3) bis 10,094(3) Å; b = 10,393(3) bis 10,478(3) Å; c = 8,631(2) bis 8,694(2) Å; α = 106,36(l) bis 106,37(1)°; β = 96,00(l) bis 96,10(l)° und γ = 124,38(1) bis 124,40(l)° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]
Bildung und Fundorte
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Serendibit bildet sich bei hohen Temperaturen metasomatisch bei der Reaktion von Bor-haltigen Lösungen mit Kalkstein und findet sich in Skarnen am Kontakt von Kalkstein und Granit, Tonalit oder Granulit.[4] Er kommt dort zusammen mit Fassait, Uvit-reichem Turmalin, Klinozoisit, Spinell und Kalzit[9] oder Diopsid, Spinell, Skapolith, Plagioklas, Apatit[7] vor. Die Bildung von Serendibit setzt wahrscheinlich SiO2- untersättigte Bedingungen voraus.[9]
Als seltene Mineralbildung konnte Serendibit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2015) rund 20 Fundorte[10] als bekannt gelten. Neben seiner Typlokalität Gangapitiya in der Zentralprovinz fand man das Mineral auf Sri Lanka nur noch in den Katukubura Hills nahe Kolonna in der Provinz Sabaragamuwa.
Weitere bisher bekannte Fundorte liegen unter anderem im Mogok-Tal im Bezirk Pyin U Lwin (Pyin-Oo-Lwin, Mandalay-Division) in Myanmar (Birma), im Gebiet Portage-du-Fort in der kanadischen Provinz Québec, am Berg Vohimena nahe Ihosy (Provinz Fianarantsoa) sowie bei Behara und Ianapera (Provinz Toliara) auf Madagaskar, in den Eisen-Bor-Skarnen im Aldanhochland von Ostsibirien (Russland), im Distrikt Handeni in der Region Tanga in Tanzania sowie an mehreren Orten in den US-Bundesstaaten Kalifornien und New York.[11]
Verwendung als Schmuckstein
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Der Großteil der Serendibite ist schwarz und opak, mit Durchlicht zeigen einige goldbraunes, grünes oder blaues Schimmern. Serendibit wird fast ausschließlich als Sammler- und Schmuckstein verarbeitet. Im Jahr 2005 wurden neue Quellen in Mogok, Myanmar gefunden, vorher waren nur drei facettierte Steine aus Sri Lanka bekannt.
Während der Serendibit aus Sri Lanka grün-blaue und violett-blaue Farben zeigt, sind die Varietäten aus Myanmar meist schwarz und lichtundurchlässig.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- George T. Prior, Ananda K. Coomaraswamy: Serendibite, a new borosilicate from Ceylon. In: Mineralogical Magazine Band 13 (1902), S. 224–227 (PDF 206,9 kB)
- Karl Schmetzer, George Bosshart, Heinz-Jurgen Burnhardt, Edward J. Gubelin und Christopher P. Smith: Serendibite from Sri Lanka. In: Gems & Gemology, Band 38, 2002, S. 73–79
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Mineralienatlas:Serendibit (Wiki)
- realgems.org – Serendibit (mit Bildbeispielen geschliffener Serendibite)
- Webmineral – Serendibite
- Database-of-Raman-spectroscopy – Serendibite
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Serendibite
- IMA/CNMNC List of Mineral Names; März 2015 (PDF 1,5 MB; S. 159)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
- ↑ a b c E. S. Grew, U. H. Alenius, M. Pasero and J. Barbier: Recommended nomenclature for the sapphirine and surinamite groups (sapphirine supergroup) In: Mineralogical Magazine; August 2008 Band 72(4), S. 839–876 (PDF 2,82 MB)
- ↑ a b D. G. Van Derveer, G. H. Swihart, P. K. Sen Gupta, E. S. Grew: Cation occupancies in serendibite: a crystal structure study. In: American Mineralogist Band 78 (1993), S. 195–203 (PDF 1,04 MB)
- ↑ a b c d e Serendibite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 76,2 kB)
- ↑ a b Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
- ↑ a b c d e Mindat – Serendibite
- ↑ a b G. T. Prior, A. K. Coomáraswámy: Serendibite, a new borosilicate from Ceylon In: Mineralogical Magazine Band 13 (1903), S. 224–227 (PDF 207 kB)
- ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
- ↑ a b Ian Hutcheon, Avril E. Gunter, A. N. Lecheminant: Serendibite from Penrhyn Group marble, Melville Peninsula, District of Franklin In: The Canadian Mineralogist Band 15 (1977), S. 108–112 (PDF 1,68 MB)
- ↑ Mindat – Anzahl der Fundorte für Serendibit
- ↑ Fundortliste für Serendibit beim Mineralienatlas und bei Mindat
